Freitag, 21. Oktober 2011

sans titre


Ich bin außerhalb der Zeit
Ich bin im Strom
Und draußen
Das Leben ist hinter mir
Vor mir
Neben mir


Ich lebe
Jetzt
Später
Heute

Ich spiele Theater
Vor dir
Mit dir
Mit mir

Siehst du, was ich sehe?
Leben
Atmen
Bilder
Welten

Ich will aus drei Metern Höhe ins kalte Wasser springen!
der Puls gibt die Zeit
ist der Rythmus
zudem ich tanze

ich sehe mir zu
ich sehe dir zu
eins und eins
sieben
dreizehn
der himmel ist die grenze

einatmen
ausatmen
den Sauerstoff spüren
in jeder Bronchie
in jeder Mitochondrie

innen ist außen
außen ist innen
ich bin dazwischen

kannst du mich sehen?

Freitag, 16. September 2011

The world got in my way..

Ich habe heute einen Vogel gefangen- 
sein Flügel war gebrochen. 

Als ich ihn mir näher besah musste ich feststellen, dass der Bruch sehr kompliziert war, 
irgendetwas hatte nicht nur seinen Flügel förmlich zerschmettert, 
sondern offenbar auch noch mindestens ein Bein- 
die Chance auf Heilung geht gen minus unendlich. 
Der Tierarzt hat erst in drei Tagen wieder Sprechstunde.


Ich bin selbst nicht in der Lage
dem armen Ding sein Ende zu erleichtern,
was wenn er doch geheilt werden kann?

Ich gebe ihm Wasser und Futter-
er frisst,
er will noch nicht gehen…

Als ich ihn vorsichtig ein weiches Lager setzen will
schließt er die Augen
und schmiegt sich  kurz an mich,
vor meinem geistigen Auge sehe ich eine einzelne Träne aus seinem Auge perlen.

Ich sehe nach dem Vogel,
er sieht nach mir.
Als ich ihm wieder Wasser geben will hackt er wie wild auf mich ein.
Das Wasser bleibt in seiner Nähe stehen.
Ich verbinde meine Hand.

Als ich noch einmal zurücksehe erkenne ich den Vogel wieder:
er hat mich früher auf dem Weg zur Schule begleitet
jetzt schaue ich ihm beim Sterben zu-
unfähig etwas zu tun.
Who needs a heart, when a heart can be broken?

Montag, 5. September 2011

Die Welt durch zerbrochenes Glas betrachtet

Da sammelt man seit Jahren die Botschaften des Universums an das empfindliche selbst und nun das. Fein säuberlich hinter Glas und Rahmen aufbewahrt und hübsch drapiert verkündeten die Zettelchen ihre Weisheiten: Man wird dich zum Anführer ernennen, Du wirst diesen Sommer viel Spaß haben, Jemand verbirgt seine Zuneigung für dich, und und und... allesamt natürlich zu 100% wahr und nachweisbar..
Wie Murphy es will ist natürlich der Katze die Schuld zu geben, dass eines Nachts selbiger Rahmen unter schlafraubendem Getöse der Schwerkraft zu Opfer fiel. Nun sitze ich da/forme die Scheibe nach ihrem Bilde/ eine Scheibe, die sich gleich sei/ zu spiegeln, glänzen und zu halten sich/und um hindurchschauen zu lassen, nur mich!
Das Kleben an sich ging nicht ganz ohne Blut, Tränen und Schweiß, doch mit dem richtigen Werkzeug und genügend Ruhe und Geduld gelingt einem eben doch fast alles. Der Blick auf die dinge dahinter hat sich jedoch verändert. Die Scheibe ist jetzt flexibler und hält mehr aus. Die Ansicht etwas schadhafter aber vielleicht etwas realistischer. Die Narbe des Glases zieht sich quer über die gesamte Fläche, der Anblick des Rahmens weckt jetzt andere Gefühle "Willkommen in der Realität" ruft es im Dauercrescendo durch sämtliche Hallen...
Das Universum, der Kosmos und das Schicksal spielen 'Mensch, ärgere Dich nicht!"-man wird rausgeworfen und darf neu anfangen, die Mitspieler bleiben Wem-auch.immer-sei-dank die selben...

Freitag, 19. August 2011

once upon a time in a land far far away...

herzensmenschen, die stadt des heiligen fanciscus, unglaublich schnell ziehende wolken und nebel, schwarze männer, die sich auf der straße hinter zweigen verstecken und für ein paar dollar vorüberschlendernde passanten kreischend erschreckt.
nebel. wind. sonne- und wieder nebel. menschen, die unglaublich freundlich und hilfsbereit sind, ganz abseits der klischees. unerwartet viele deutsche.
lilienduft und ab und an knoblauch und kohl dazwischen.

auf geht's!

Mittwoch, 17. August 2011

Invictus (Unconquered)


Out of the night that covers me,
Black as the Pit from pole to pole,


I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find, me unafraid. It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.


William Ernest Henley

Donnerstag, 28. Juli 2011

Wie die Magie die Welt verließ -Prolog-

manchmal verlässt einen das gefühl, dass etwas an díeser welt nicht stimmt, nie ganz. die realität fühlt sich unwirklich an, als fehlte irgendetwas.es gibt tage und menschen, die dieses gefühl vergessen machen können, doch es geht nie ganz. der blick aus dem fenster zeigt eine welt, die echt ist, sich aber nicht so anfühlt. immer mehr menschen scheinen bloße hüllen zu sein. sie versuchen sich mit dingen, fakten oder gefühlen zu füllen, doch zu helfen scheint nichts.
wenn man mit den altvorderen noch des nachts an einem lagerfeuer sitzen und ihren geschichten lauschen könnte, dann wüssten sie auch dazu eine mitreißende und zugleich bedeutungsvolle geschichte zu erzählen:
    als die menschen erschaffen wurden, geschah dies aus dem grund, dass sie sich entwickeln sollten. sie sollten das beste aus ihren möglichkeiten schöpfen um zu werden und nicht bloß zu sein. um dies gewärleisten zu können schuf man sie mit einem loch im herzen, was sich durch nichts füllen ließe, auf dass sie immer weiter strebten. unglücklicherweise strebten die menschen nie allein nach entwicklung, sondern nach macht und stärke. nichts konnte das loch in ihrem herzen füllen, kein reichtum, kein wissen, keine liebe- sie wollten immer noch mehr und mehr.
nun muss man wissen, dass die welt voller magie ist. früher wie heute. nur trat die magie früher viel offener zu tage und musste sichnicht verstecken. es lebten allerlei magische geschöpfe auf dieser erde, gut und böse, weise oder ganz einfach. magie trat in den wundervollsten formen offen zu tage und war auch den menschen zu eigen.
doch es geschah, dass die menschen in ihrem unstillbaren hunger auch nicht genug von der magie bekamen und sie für ihre zwecke missbrauchten. durch ihre maßlosigkeiten schrieben sie die geschichte, wie der zauber unsere welt verließ...

Sonntag, 17. Juli 2011

Sonntagsbesuch

Es gibt Orte, an denen sich Erwachsene über Windeln und Schlaflagerungen unterhalten. Wo man auch hinsieht geht es um die richtige Ernährung, Kompetenzförderung, Durchschlafen, Sprachentwicklung und Pflege. 
Mit 23 gehört man da schon mit Abstand zu den Jüngsten in diesem illustren Kreisen. Nicht selten werde ich von den Alten, die die Hochaltrigen besuchen, seltsam beäugt oder verständnissvoll (zumindest vermute ich das), ja fast mitleidig angelächelt. Wie muss es sich für diese Menschen "in der nachberuflichen Lebensphase" sein muss, schon vor dem eigenen Bedarf diese Einrichtung so oft besuchen zu müssen?
Auf dem Weg zu dem inzwischen doch recht vertrauten Raum komme ich immer an dem Einzelzimmer von Frau Niemand vorbei. Die Tür ist immer zu. Man hört nie tewas aus diesem Zimmer. Die Schwestern eilen meist mit einem Schiebewagen voller medzinischem Gerät in dieses Zimmer. Frsu Niemand scheint nie Besuch zu haben. Weder sieht man sie, noch gibt es überhaupt eine Art Lebenszeichen von ihr.
An meinem Ziel angekommen, sehe ich eine Frau, die im komplett stillen Raum still aus dem Fenster sieht. Es regnet draußen ganz leise. Diese Frau, die ich hier regelmäßig besuche wartet den ganzen Tag auf nichts anderes als auf ihren Besuch. Alle anderen Bewohner sind für sie fremd und seltsam. Sie könne mit niemandem reden, doch wenn einer von uns da ist redet sie, weint sie und fragt viel. Immerwieder das gleiche. Alles abstrakte, alles was sie nicht direkt (be)greifen kann versteht sie nicht und macht sie zornig und manchmal richtig böse.
Im Grunde fühlt sich diese Frau nur allein. Sie ist verwirrt. All die Dinge, die sie nicht mehr versteht machen ihr Angst und schüchtern sie immer mehr ein, bis sie sich gar nichts mehr traut. Jedes mal erzählt sie mir, dass sie weder Kraft noch Lust hat. Wozu brauche ich nicht zu fragen. Es geht trotzdem weiter.
Sofern ich das beurteilen kann, sind alle hier sehr nett zu ihr. Die Schwestern geben sich Mühe, andere Bewohner kennen izwischen sogar uns und fragen nach dem Wohlbefinden. Und trotzdem ist das Gefühl nicht fremd: sich inmitten einer wohlwollenden Menschenansammlung komplett einsam zu fühlen. Der Lichtblick jedes Tages sind die Besuche der Vewandten ersten Grades. In den anderthalb Stunden mit ihnen werden dann ale Facetten menschlicher Kommunikation, die noch möglich sind abgeklappert. So gut es eben heute geht. Morgen kann es schon wieder ganz anders aussehen...
Auf dem Weg nanach draußen komme ich wieder am Zimmer von Frau Niemand vorbei. Die Tür ist immernoch zu. Von drinnen höre ich eine Schwester mit jemandem sprechen. Sollte ich nach ihrer Wortwahl beurteilen mit wem sie da redet, würde ich auf einen Säugling tippen...