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Samstag, 5. Mai 2012

Tiger, Tüpfel und die Welt der Geister

Die beiden Jungkater Tiger und Tüpfel waren noch nicht lange bei ihrer Familie und gerade dem immer-spielen-und-dann-umfallen-und-schlafen-Alter entwachsen, da entdeckten sie, dass sie und Zwolfenstein nicht allein waren.

Tüpfel war bei der Erkundung eines Bücherregals auf ein seltsames Gebilde gestoßen. Eigentlich suchte er ja nur nach einem netten Paltz zum Schlafen, von dem aus er die ganze Wohnung überblicken konnte. Doch als er gerade versuchte die Lücke zwischen zwei Bückern durch Drängeln zu vergrößern erschreckte ihn etwas wie ein Fauchen. Tüpfel erschrak so sehr, dass er vor Schreck in die Luft sprang und beim Landen das Regal verfehlte. Potz-per-Dautz stürmte er aus dem Raum.

Tiger fraß grade als er seinen Bruder im Affenzahn vorbeirauschen sah. Er ging nachsehen. Tüpfel hatte sich in einen Karton verkrochen, in dem gestern Pfotenhüllen für die Chefin gekommen waren. Tiger setzte sich davor und wartete. Er musste allerdings nicht lange warten, alles an seinem Bruder schrie förmlich:"Schreck-und-Absturz"- Nichts so ungewöhnliches wenn man ein Kater ist.

Als Tüpfel sich wieder beruhigt hatte, gingen er und Tiger gemeinsam zu dem Bücherregal um sich die Sache genauer anzusehen: dort oben, auf dem dritten Brett, ganz am Rand und drei Pfoten voll Bücher von Tüpfels Schlaflücke entfernt, saß er.

Er war keine Katze, und kein Vogel und auch auch keine Maus. Er war ungefähr so groß wie eine Katze. Er saß, hatte den Schwanz in Katermanier um die Pfoten gewickelt. Er hatte kein Fell und seine Pfoten waren größer als die Tiger und Tüpfel. Die beiden spitzten ihre Katerohren: kein Laut gin von ihm aus, nicht einmal etwas wie atmen.

Tüpfel blickte zur Seite um seinem Bruder einen fragenden Blick zuzuwerfen, doch was er sah, ließ ihn gleich nochmal vor Schreck in die Luft springen. Tiger ging es nicht anders, als er bemerkte, wer sich da zu ihnen gesellt hatte: ein vier-Beine-Flügel-hart-und-kalt.

Normalerweise sitzt der, der die beiden Kater jetzt ansah, gleich neben der Garderobe und bewegt sich nicht ein bisschen.
"Hausgeister sollte man nicht ärgern!" sagte das Wesen. Tiger und Tüpfel verkrochen sich sicherheitshalber unter das Schuhregal und machten sich ganz flach.
"Dein Freund hier hätte Balduin vorhin fast heruntergeworfen. Deswegen hat er dich gewant" erklärte das Wesen erst Tiger und dann Tüpfel indem es langsam auf die beiden zukam. Sein Gang war etwas tapsiger, als der einer Katze. Katzen sind aber auch nicht aus Stein.
"Ihr könnt froh sein, dass Baltazar nicht dort saß. Der hätte sich nicht nur aufs Warnen beschränkt. Ich bin übrigens Hugo."
Jetzt legte Tiger die Ohren an. Das ging ihm zu weit. Der Steinklotz war viel zu nah. Tiger stellte seine Nackenhaare auf und ein leises knurren rumpelte bereits in seiner Kehle, da setzte sich Stein-Hugo vor die beiden ängslichen Katerkinder hin.
"Ihr braucht keine Angst haben. wir sind Hausgeister. Am Anfang waren wir nichts als Stein in einer Form, die die Menschen als 'Drachen' bezeichnen. Zumindest Balduin, Baltazar und ich. Graógramán ist ein Abbild eines Löwen. Wir alle wurden hierher gebracht von euren Menschen. Sie glauben, dass wir diese Wohnung und ihre Bewohner schützen und weil sie das glauben, ist es auch so. Ihr und der graue Rätselsprecher gehört zu den Bewohnern dieser Wohnung, deswegen braucht ihr eigentlich keine Angst vor uns haben- wir schlafen sowieso fast die gesamte Zeit. Nur lassen wir uns nicht gern aus Regalen werfen."
Und mit einem Zwinkern an Tiger und Tüpfel erhob sich Hugo wieder und ging aus dem Raum. Unsere Jungkater brauchten eine Weile, bis sie sich von dem Schrecken erholt hatten. Als sie so weit waren gingen sie zu Zwölfenstein. Der vorlaute Vogel erzählte ihnen sonst immer Geschichten, dieses eine Mal waren sie sich sicher, dass es andersherum sein würde.

Im Wohnzimmer angekommen setzten sich die zwei Kater vor den Käfig des Vogels und beobachteten ihn, wie er im Sand am Boden nach Resten suchte. Zwölfenstein ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Als er mit dem Schnabel in einem besonders großen Sandhaufen wühlte, begann er gedämpft von dem Sand, ein kleines Spottlied:

halb Diesseits
halb Jenseits 
und schläft den ganzen Tag
das eine lebt
das and're spricht
und sind doch eine Art

Mehr war dem schrulligen Vogel nicht zu entlocken

Sonntag, 14. November 2010

Tiger, Tüpfel und das geheime Leben der Worte

Die beiden Katerbrüder Tiger und Tüpfel haben etwas Neues für sich entdeckt: Ihnen ist aufgefallen, dass Menschen mehr mit Papier machen können, als es zu zerrupfen. Tiger und Tüpfel zerrupfen das Papier sehr gern. Es macht einfach Spaß es in ganz viele kleine Fetzchen zu zerreißen, die dann in der ganzen Wohnung umherfliegen, wie Schnee.

Ihren Menschen gefällt das meist gar nicht. Besonders die Chefin regt sich immer furchtbar auf, wenn Tiger und Tüpfel mal wieder Verstecken auf ihrem Schreibtisch spielen. Erst kürzlich ist Tiger aufgefallen, dass an dem Papier etwas besonderes sein muss. Gestern Abend saßen der Chef und die Chefin die ganze Nacht am Esszimmertisch um die Fetzchen wieder zusammenzusetzen, sie nannten es eine "Geburts-Uhr-Kunde" und "Geld". Was das genau sein soll, weiß allerdings keiner.

Bei genauerem Hinsehen meinte Tiger dann, seltsame Muster auf dem Papier erkennen zu können, konnte sich daraus allerdings keinen Reim machen. Es waren irgendwie Linien aus fielen kleinen Fußabdrücken. Ein seltsames Tier muss das sein. so wie es aussieht hat das Tier ganz viele verschiedene Füße, die es immer wieder unterschiedlich benutzt. Manchmal lässt das misteriöse Tier auch einen Schritt aus. Und welches Tier läuft denn bitteschön immer wieder in der gleichen Richtung über ein Papier?

Die Jungkater gingen zu Zwölfenstein, der wusste bestimmt, was es damit auf sich hat. Zwölfenstein saß im Wohnzimmer auf seiner Stange und knabberte genüßlich am einen Hühnerknochen. Mit ihm zu reden war immer so eine Sache. Tüpfel war der Überzeugung, dass dieser Vogel selbst meist nicht wusste, was er da eigentlich von sich gab.

"Tiger! Tüpfel" rief der Papagei mit der Stimme der Chefin, die beiden setzten sich vor den Käfig und beobachteten den Vogel. Der Vogel neigte den Kopf und schaute sie fragend an. "Papier", sagte Tiger im Bemühen sich so klar wie möglich auszudrücken. "Warum ist es den Menschen so wichtig? und welches Tier hinterlässt diese seltsamen Spuren darauf?" Der Vogel blizelte und drehte den Kopf auf die andere Seite.

Nach einer ziemlich langen Pause raschelte Zwölfenstein mit den Flügeln, biss einmal herzhaft und genüßlich in die Papprolle in seinem Käfig und kaute darauf herum. "Kann man ohne Zähne eigentlich kauen?" fragte sich Tüpfel. Der Vogel war ihm schon immer unheimlich, sein Schwanz zuckte.

Dann endlich ließ sich der Papagei zu einer Antwort herab:
"Papier...mmh! Das viel-dünn-und-leicht-Papier ist den zwei-Beine-und-tolle-Laute-Menschen nicht wichtig. Das bunt-und-unterschiedlich-darauf ist es und was man damit machen kann"
"Na herzlichen Dank!" dachte sich Tiger, "so weit waren wir auch schon".

Die Kater drehten sich rum und verließen den Raum, nicht ohne dass der Vogel ihnen noch sein übliches spotttriefendes "SKANDAL!" nachrief. Tiger und Tüpfel sahen sich an, sie verstanden einander auch ohne Worte. Sie würden erstmal darüber nachschlafen!

Für Katzen ist Schlaf mehr als die meisten Menschen ahnen. Sie ruhen sich nicht nur einfach aus. Wie viele Menschen können die Samtpfoten im Traum Probleme wälzen, Jagden planen und über Dinge nachdenken. Deswegen schlafen Katzen auch so viel, weil sie so viel nachdenken.

Vor ihren schlafenden Augen sahen die beiden verworrene Muster vorbeiziehen. Muster die keinen Sinn für sie machten- wie die Fußspuren des seltsamen Papiertieres. Wie ein Stein in einem See immer tiefer schwebt, sanken die beiden in immer tiefere Schlafebenen und immer neue, wohlige Dunkelheit umgab sie.
Als die Schwärze nicht mehr zu durchschauen war, stach ein Muster besonders hervor:
-licht-
Tiger spürte Tüpfels Anwesenheit in diesem geteilten Traum. Sie hatten keine Ahnung, was dieses Muster bedeuten sollte.

Dann sprach es das Muster selbst. Die Pfoten und Schnauzen der Kater zuckten im Schlaf.
"Man nennt uns 'Worte'."
"Wir sind die Bilder, die Sprache bedeuten"
Das Wort war kaum zu verstehen. Es verständigte sich eher über ein flüstern, wie Sommerwind im Hasellaub.
"Wir sind Viele! Einige heißen gleich und bedeuten anders, oder umgekehrt. Die Zahlen sind unsere Brüder, sie sind das Maß- beantwortet das eure Frage?"
Verwirrt und ohne wirklich zu wissen, ob sie das 'Wort' wirklich verstanden, stimmten Tiger und Tüpfel zu. Die 'Worte' verschwanden und Schwärze umfing sie wieder.

Tiger und Tüpfel kehrten erst wieder in das Jetzt zurück als sie den Schlüssel in der Wohnungstür hörten. Die Menschen rochen nach Farbe, Rauch, Ärger und, oh wie praktisch, nach frisch gekauftem Fisch.
Die beiden Kater sahen sich an und stimmten nahezu gleichzeitig ihr herzzereißendstes Klagen an, die Menschen würden schon noch gehorchen. Als Tüpfel auf den Tisch sprang um die Fischtüte in Augenschein zu nehmen, sah er ein bestimmtes Muster darauf und Erinnerungen an vergangene Denkträume regte sich in ihm. Auch Tiger sah es.
Das Wort zwinkerte ihnen zu. 

Sie hatten verstanden.